Fehleranalyse Deutsch

Die Fehlerkategorien

Die Fehleranalyse erteilt Auskunft über Stärken und Schwächen bezüglich einzelner Problembereiche der Rechtschreibung. So ergeben sich fundierte Schwerpunkte für das weitere Lernen und eine bedeutende Zeitersparnis bei der sachlichen Fehlerdiagnostik.

Die in unserer Fehleranalyse verwendeten Fehlerqualifizierungen sollen im Folgenden, soweit erforderlich, erläutert werden, da sie in der Fachliteratur äußerst unterschiedlich bestimmt sind.

Der Bereich der Wahrnehmungsfehler ist in vier, der Bereich der Regelfehler in sechs Hauptfelder unterteilt.

Beschreibung der Hauptkategorien

Wahrnehmungsfehler

Unter diesem Begriff finden sich solche Fehler, die auf der Basis einer beherrschten Laut-Zeichen-Zuordnung vermieden werden können. Dazu gehören auch regelmäßige Varianten einzelner Laute, Lautgruppen und deren Verschriftungen, die beim Zusammenziehen zu Wörtern entstehen.

Wahrnehmungsdurchgliederung (WDG) 1

Hier sind Fehler zu nennen, die das Wort in seiner grundlegenden Struktur betreffen. Es werden Laute hinzugefügt, die nicht hörbar sind, Laute weggelassen, die hörbar sind oder Laute in falscher Reihenfolge wiedergegeben.

Beispiele:

Auslassung von Buchstaben: laufn (laufen)
Hinzufügen von Buchstaben: schneidern (schneiden)
Vertauschung der Reihenfolge: Bort (Brot)

Wahrnehmungstrennschärfe (WTS) 2

Unter dieser Rubrik werden Fehler eingeordnet, die aufgrund oft sehr ähnlicher akustischer und/oder optischer Qualität der Buchstaben / Laute entstehen.

Beispiele:

Verwechslung Kontrastmitlaute: Dür (Tür)
Verwechslung Selbstlaute / Umlaute: schwümmen (schwimmen)

Wahrnehmungsrichtung (WR) 3

Hier angesprochene Fehler beziehen sich ausschließlich auf solche Buchstaben, die sich untereinander nur durch die Richtung ihrer Darstellung, d.h. ihrer Spiegelung an einer horizontalen und / oder vertikalen Achse, unterscheiden.

Beispiele:

Verwechslung d-b: Rab (Rad)
Verwechslung ei-ie: Leibe (Liebe)

Buchstabenfehler (WBF) 4

Hier aufgelistete Fehler beziehen sich auf besonders schwierige und / oder seltene Einzelbuchstaben, insbesondere aber auch auf Buchstabenkombinationen, die die Kinder mit einer fest zugeordneten Lautung beherrschen und anwenden lernen müssen (Vokabeln).

Beispiele:

Fehler bei st: Schtunde (Stunde)
Fehler bei qu: Kwelle (Quelle)

Regelfehler

Regelfehler sind solche Fehler, die allein durch korrekte akustische und optische Wahrnehmung nicht zu vermeiden sind. Stets sind hier vom Kind neben und auf der Basis einer korrekten Laut-Zeichen-Zuordnung zusätzliche Leistungen verlangt, z.B. Schlussfolgerungen aus der Wortmelodie, grammatikalisches Wissen oder auch der Rückgriff auf auswendig Gelerntes.

Ableitung der Umlaute (RAU) 1

Diese Kategorie bezieht sich nur auf ä und äu in kurzer Betonung. Das lang gesprochene ä lässt sich in der Regel vom lang gesprochenen e unterscheiden, daher sind Fehler in diesem Bereich den Wahrnehmungsfehlern zugeordnet. Da dies jedoch stark vom jeweils gesprochen Dialekt abhängig ist, sollten diese Fehler ggf. vom Testenden dem Regelbereich zugeschlagen werden.

Beispiele:

Umlautableitung: e / ä: kelter ( kälter)
Umlautableitung eu / äu: Meuse (Mäuse)
ä an der falschen Stelle: Lendär (Länder)

Konsonantenableitung (RKA) 2

Hier finden sich all die Fehler, die sich aus der dem Deutschen eigenen Verhärtung vieler Laute am Wort- und Silbenende ergeben. Als weitere Fälle des Gleichklangs unterschiedlicher Buchstaben (gruppen) am Wortende gelten –ns und –nz sowie –ig und –ich.

Beispiele:

Konsonantenverhärtung am Wortende: Hant (Hand)
Verwechslung s-ß am Wortende: Fus (Fuß)

Konsonantenverdopplung (RDOPP) 3

Die meisten Fehlergruppen in dieser Kategorie beziehen sich auf die im Deutschen regelhafte Dopplung ocn Konsonanten. Auch die Besonderheiten bei der Dopplung von s (nach alter Rechtschreibung ss oder ß) und die  besonderen Schreibweisen ck und tz sind hier aufgenommen.

Beispiele:

Dopplung fehlt: Somer (Sommer)
Dopplung überflüssig: lessen (lesen)
Unechte Dopplung fehlt: zereißen (zerreißen)

Dehnung (RDEH) 4

Die Dehnung von Vokalen geschieht in der deutschen Orthografie auf vielfältige Weise. Neben dem Dehnungs-h (auch stummes h) und den Doppelvokalen ist hier besonders der lange i-Laut als Problemfeld aufgenommen.

Da im Bereich der Dehnung von Vokalen nur beschränkt von Regelhaftigkeit gesprochen werden kann, sollte bezüglich der Förderung abhängig von den Fähigkeiten und Neigungen des einzelnen Kindes entschieden werden, ob diese existierenden Regeln als Verstehhilfe benutzt werden oder ob dieser Bereich dem Auswendiglernen zugeschlagen wird.

Beispiele:

Dehnungs-h fehlt: Lem (Lehm)
Dehnungs-h überflüssig: lehben (leben)
Doppelvokal fehlt: Mer (Meer)
I statt ie: Tir (Tier)

Gleichklingende Buchstaben (RGB) 5

Neben den gleich klingenden Einzelbuchstaben f-v und (seltener) w-v gehören in diese Kategorie der z-Laut und der x-Laut. Da die beiden Buchstaben x und z ihrerseits lautlich aus je zwei anderen Buchstaben des ABC bestehen (x = ks und z = ts), ergeben sich hier zahlreiche Ableitungsaufgaben für die Kinder.

Beispiele:

F statt v: Fogel (Vogel)
Z statt ds: abenz (abends)
X statt chs: Wexel (Wechsel)

Groß- und Kleinschreibung (RGK) 6

Unter diesem Punkt diagnostizieren wir Fehler bei der Unterscheidung der Grundwortarten und einfache Substantivierungen (Verben und Adjektive)

Beispiele:

Kleinschreibung von Substantiven: haus (Haus)
Großschreibung von Adjektiven: Schön (schön)