Kommentar zum Erlass NRW

Von der Stadtschulpflegschaft Bonn

Kommentar zum LRS-Erlass NRW

(RdErl. d. Kultusministeriums v. 19.07.1991/GABI.NW. I S 174)

 

A. Allgemeine Berücksichtigung des LRS-Erlasses

Gültigkeitsbereich des LRS-Erlasses:

–  Der LRS-Erlass ist für alle in NRW existierenden Schulformen gültig

–  Für die Grundschulen ist er von der 1. bis zur 4. Klasse gültig (LRS-Erlass Pkt. 3.1 und 4.)

– Für die weiterführenden Schulen ist er von der 5. bis zur 10. Klasse gültig (LRS-Erlass Pkt. 3.1 und 4.)

–  Für die gymnasiale Oberstufe gelten besondere LRS-Regelungen, die durch in die APO-GOSt § 13 geregelt werden

–  Für die Berufskollegs etc. gelten besondere LRS-Regelungen, die durch in die APO-BK § 15 geregelt werden

– Für Zentrale Prüfungen (ZP10, ZP11, Abitur) gelten besondere LRS-Regelungen, nach denen die Schulen Anträge zur Erteilung von Nachteisausgleichen für betroffene LRS Schüler bei den jeweiligen Bezirksregie- rungen stellen müssen.

 

B.  Spezielle  Berücksichtigung des LRS-Erlasses

Der LRS-Erlass ist ein „Leserechtschreiberlass“ und kein „Legasthenie-Erlass“.  Das heißt, die Betroffenheit der SchülerInnen  liegt  vor, wenn sie generell  Schwierigkeiten  beim Erlernen  des Lesens und Rechtschrei- bens haben, egal aus welchem Grund (z.B. auch ein Migrationshintergrund, zu frühe Einschulung oder Her- kunft aus bildungsfernem Elternhaus  etc. können die Ursache  sein). Eine genetisch  bedingte  Legasthenie kann auch der Grund sein, ist aber nicht die Bedingung für eine erlassrelevante Betroffenheit. Keine der entsprechend betroffenen SchülerInnen  sind verantwortlich  für ihre Schwäche/Störung. Es ist die Aufgabe der Gesellschaft, diesen SchülerInnen trotz ihrer Problematik  die gleichen Lebens- und Bildungschancen zu ermöglichen,  wie sie nicht betroffene SchülerInnen haben. Es ist die Aufgabe des LRS-Erlasses, ihnen dies so weit es geht, zu ermöglichen und die Aufgabe aller Schulen sämtlicher Schulformen dies in diesem Sinne umzusetzen!

Der LRS-Erlass regelt im Wesentlichen die fünf folgenden wichtigen Sondermaßnahmen zum Schutz und der

Förderung von LRS-SchülerInnen:

1. Allgemeine Maßnahmen

2. Erteilung von Nachteilsausgleichen

3. Erteilung von Schutzmaßnahmen

4. Erteilung von Fördermaßnahmen

5. Zusammenarbeitspflicht, Informationspflicht und Fortbildungspflicht der Schule gegen- über LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen unter Einbindung des Schulpsychologischen

Dienstes  und außerschulischen Therapie- und Förderinstitutionen.

Alle diese Maßnahmen sind für die Schule verpflichtend (keine sog. „kann-Regelung“!). Sie müssen in ihrer Vielfalt individuell und optimal für die betroffenen SchülerInnen abgestimmt und so früh wie möglich eingesetzt werden. (LRS-Erlass Pkt. 1. – 4.)

1. Allgemeine Maßnahmen (LRS-Erlass Pkt. 2.1 und 2.5):

– Einrichtung eines motivierenden, individuell abgestimmten Lernklimas

– Vermeidung von angstauslösenden Situationen aller Art

– Hilfen zum Umgang mit Misserfolgen

2. Erteilung von Nachteilsausgleichen (LRS-Erlass Pkt. 4.1):

– Zeitverlängerung bei Leistungsbewertungen/Klassenarbeiten

– Andere Aufgabenstellung bei Leistungsbewertungen/Klassenarbeiten

– Benutzung von Computern, anderen Formaten und Ähnlichem

– Mündliches Abfragen von Vokabeln

– Durchführung dieser Nachteilsausgleiche für alle Schulfächer

3.  Erteilung von Schutzmaßnahmen (LRS-Erlass Pkt. 4.1 bis 4.4):

– Keine Einbeziehung der Rechtschreibleistung bei Leistungsbewertungen/Klassenarbeiten

– Zurückhaltende Gewichtung der Rechtschreibleistung bei Zeugnisnoten im Fach Deutsch

– Bei Versetzungen/Abschlüssen sind Leistungen beim Lesen und Schreiben nicht ausschlaggebend x Besondere Schwierigkeiten im Rechtschreiben sind kein Hinderungsgrund für die Weiterempfeh- lung/Schulempfehlung

– Durchführung dieser Schutzmaßnahmen für alle Schulfächer

Die Punkte 4. und 5. werden weiter unten erläutert (siehe Pkt. D, F, und G).

C. Durchführung einer LRS-spezifischen Analyse (Diagnostik) an der Schule

–   Durch die Schule muss das Ausmaß des Versagens im Lesen und Rechtschreiben festgestellt werden (Diag- nostik), dies allein reicht aber nicht aus! (LRS-Erlass Pkt. 2.1)

–  Darüber hinaus muss die Lernsituation der betroffenen SchülerInnen in schulischen, sozialen, emotionalen, kognitiven und physiologischen Bereichen und in ihrem Lern-und Arbeitsverhalten analysiert werden (LRS- Erlass Pkt. 2.1)

–   Diese Analyse muss so früh wie möglich einsetzen, um zur Vermeidung von Versagensängsten möglichst frühzeitig mit den LRS-spezifischen Maßnahmen (siehe Pkt. B.) beginnen zu können (LRS-Erlass Pkt. 2.)

–   Kontinuierlich muss der Fördererfolg überprüft und das Förderkonzept angepasst werden (LRS-Erlass Pkt.

2.5)

–  Wenn notwendig muss sich die Lehrkraft der Beratung durch eine in der LRS-Förderung besonders erfahrene Lehrkraft, dem Schulpsychologen oder durch eine in der LRS-Diagnose erfahrene Fachkraft versichern (LRS- Erlass Pkt. 2.1 und 3.5)

–   Alle diese Maßnahmen sind von der Schule selbstständig durchzuführen und können nicht auf die Eltern verlagert werden. So darf die Schule die Anerkennung einer LRS z.B. nicht davon abhängig machen, ob die El- tern (auf ihre Kosten) eine Diagnostik durchführen lassen und ein entsprechendes Attest vorlegen (LRS- Erlass Pkt. 2.1)

–  Bei konkreten Hinweisen auf medizinisch-organische Ursachen muss die Schule den Eltern eine fachärztliche

Untersuchung empfehlen (LRS-Erlass Pkt. 2.1)

 

D.  LRS-spezifischer Förderunterricht

–  LRS-spezifischer Förderunterricht muss durchgeführt werden:

– Für die Grundschulen von der 1. bis zur 4. Klasse (LRS-Erlass Pkt. 3.1 und 4.)

– Für die weiterführenden Schulen von der 5. bis zur 10. Klasse (LRS-Erlass Pkt. 3.1 und 4.)

–   Die Fördermaßnahmen sollten möglichst früh begonnen und konsequent über einen längeren  Zeitraum hinweg durchgeführt werden. Sie dürfen nicht zu einer unzumutbaren Belastung der SchülerIn werden (LRS- Erlass Pkt. 2.)

–   Die Einrichtung von Förderkursen können die Eltern bei der Schulaufsichtsbehörde anregen (LRS-Erlass Pkt.

3.2)

Es können folgende Fördermaßnahmen durchgeführt werden:

1.  Allgemeine schulische Fördermaßnahmen (im Rahmen der Stundentafel: innere Differenzierung, För- derunterricht). Sie sollen Lernschwierigkeiten und Lernlücken (z.B. bei SchülerInnen mit Migrationshin- tergrund) unter Erhalt des Klassenverbandes beheben (LRS-Erlass Pkt. 2.2 bis 2.4)

2.  Zusätzliche schulische Fördermaßnahmen (außerhalb der Stundentafel evtl. durch geschulte Fachleute). Sie sollen das Entstehens von Lernschwierigkeiten verhindern und beheben, wenn dies durch die all- gemeinen Maßnahmen nicht gelingt (z.B. bei starken Leserechtschreibstörungen (Legasthenie)). Dazu be- darf es LRS- bzw. Legasthenie spezifischen Unterrichts, der nur durch geschultes Fachpersonal und mit spezifischem Unterrichtsmaterial durchgeführt werden kann (LRS-Erlass Pkt. 2.3 bis 2.4)

3.  Außerschulische Fördermaßnahmen werden durchgeführt, wenn die SchülerInnen trotz intensiver schulischer Fördermaßnahmen, die für das Weiterlernen die grundlegenden Kenntnisse im Lesen und Rechtschreiben nicht erwerben können. Dies ist besonders sinnvoll, wenn schon psychische Beeinträchti- gungen, neurologische Symptome oder Verhaltensauffälligkeiten vorliegen. Diese Fördermaßnahmen werden je nach vorliegender Problematik von KinderpsychologInnen, LogopädInnen, Lern- oder SprachtherapeutInnen kostenpflichtig durchgeführt (LRS-Erlass Pkt. 2.6)

Inhalte der Fördermaßnahmen (LRS-Erlass Pkt. 2.4):

Dies können geeignete Leseübungen, Schreibübungen und Rechtschreibübungen sein. Darüberhinaus sollten die Maßnahmen den SchülerInnen zum selbstständigen und eigenverantwortlichen Arbeiten  ent- wickeln, Arbeits- und Lernstrategien vermitteln, Überforderungen vermeiden und Hilfen für den Umgang mit Misserfolgen aufzeigen

Organisation der Fördermaßnahmen:

– Die Fördergruppen sollen 6 bis 10 SchülerInnen nicht überschreiten (bei Bedarf sogar kleiner) (LRS- Erlass Pkt. 3.3)

– Es können klassen-,  jahrgangs- und schulübergreifende Fördergruppen gebildet werden (LRS-Erlass Pkt. 3.3)

– Die Förderdauer sollte mit dem Fördererfolg korrelieren. Sie sollten aber mindestens ein halbes Jahr andauern und je nach Bedarf 1 – 3 Wochenstunden umfassen (LRS-Erlass Pkt. 3.4)

 

E. LRS-spezifischer Ausbildungsstand des Schulpersonals

–  Sind an der Schule stark betroffene oder viele LRS-SchülerInnen, müssen sich die Lehrkräfte der Beratung durch eine in der LRS-Förderung besonders erfahrene Lehrkraft versichern (LRS-Erlass Pkt. 2.1 und 3.5)

–   Zusätzlich muss der Rat von SchulpsychologInnen oder in der LRS-Diagnose erfahrener Fachleute eingeholt werden (LRS-Erlass Pkt. 2.1 und 3.5)

 

F. Zusammenarbeit mit betroffenen Eltern

–   Die Eltern müssen über das Vorliegen der LRS ihres Kindes und die resultierenden die Maßnahmen (Nach- teilsausgleiche, Schutzmaßnahmen und Fördermaßnahmen) ausführlich informiert werden (LRS-Erlass Pkt.

5.)

–  Wenn konkrete Hinweise auf medizinisch-organische Beeinträchtigungen des Kindes vorliegen, ist den Eltern eine fachärztliche Untersuchung zu empfehlen (LRS-Erlass Pkt. 2.1)

–  Eltern können die Einrichtung von Förderkursen bei der Schulleitung und/oder der Schulaufsichtsbehörde anregen (LRS-Erlass Pkt. 3.2)

 

G. Zusammenarbeit mit dem schulpsycholog. Dienst oder anderen  außerschulischen Institutionen

–  Sind an der Schule stark betroffene oder viele LRS-SchülerInnen müssen sich die Lehrkräfte der Beratung durch eine in der LRS-Förderung besonders erfahrene Lehrkraft versichern (LRS-Erlass Pkt. 2.1 und 3.5)

–  Zusätzlich muss der Rat von SchulpsychologInnen oder in der LRS-Diagnose erfahrener Fachleute eingeholt werden (LRS-Erlass Pkt. 2.1 und 3.5)

–  Die Schule weist die Eltern in besonders schwierigen Fällen auf die Möglichkeit geeigneter außerschulische Förder- und Therapiemöglichkeit hin und stimmt sich mit den entsprechenden Institutionen ab (LRS-Erlass Pkt. 2.6)